Klosterleben ist Gemeinschaftsleben. Wir sind nicht als Einsiedler berufen, und Teil unseres Reifungsprozesses ist das Leben in Gemeinschaft. Wer Schwester werden will, muss auf der einen Seite selbstständig sein, aber auf der anderen Seite auch eine Persönlichkeit, die sich auf Andere einlassen, sie respektieren und annehmen kann. Gemeinschaft funktioniert nur dann, wenn man im Blick auf Gott zusammen lebt, wenn man seine Mitschwestern durch "Gottes gütige Augen" betrachtet. Dann wird die Gemeinschaft zu einer Familie, die füreinander einsteht, sich gegenseitig auf dem Weg zu Gott hilft - oder anders gesagt, dann wird die Gemeinschaft zu dem Leib Christi, von dem das Evangelium spricht.
Was wichtig ist
Das Wichtigste im Leben einer Benediktinerin ist die Liebe zu Jesus Christus. Sagt doch der Hl. Benedikt schon in seinen Einführungsworten der Regel: Um Gott mit unserer Liebe zu antworten, pflegen wir das Chorgebet. Fünf Mal am Tag singen wir die Psalmen und jeden Tag feiern wir zusammen die Heilige Messe. Als Benediktinerin braucht man diese Liebe zum Gottesdienst, darin enthalten ist das Verständnis Gott zu loben; ganz für Ihn in diesen Zeiten da zu sein. Wir können Gott nicht wirklich etwas schenken, nur uns selbst, mit unserem "Da-Sein", unserer Aufmerksamkeit, mit unserer Liebe in unseren Herzen. Und das drücken wir in der Festlichkeit unseres Chorgebetes aus. Aber das Chorgebet ist nicht alles in unserem Leben. Auch das persönliche Gebet, die persönliche Beziehung zu Jesus spielt eine entscheidende Rolle. Und da muss jede Schwester ihren Weg mit Gott gehen, so wie Er sie führt. Jede Schwester lebt in der benediktinischen Spiritualität auch ihre eigene. Beide Elemente sollen sich ergänzen und ineinander wirken, sodass ein Ganzes entstehen kann. Nur in dieser Einheit im einzelnen Menschen ist ein geistliches und heilvolles Miteinander in der Gemeinschaft möglich.
